Neujahr

Letzte Woche Sonntag, 14. Februar, waaaar…. (jajaaah, Valentinstag.) Neujahr! Chinesisches Neujahr. Das hat hier in Thailand allerdings auch Bedeutung. Ein Recht großer Anteil der Bevölkerung ist chinesisch oder zumindest chinesischstämmig und die Kulturen haben sich teilweise ein bisschen vermischt und chinesische Traditionen werden auch in manchen komplett thailändischen Familien praktiziert. Wie in meiner.

Meine Gastfamilie pflegt den Brauch, an chinesischem Neujahr die Knochen des verstorbenen Großvaters zu besuchen. Die sind in einem 3m hohen, pyramidenähnlichen Denkmal aufbewahrt, das im Garten eines meiner unübersichtlich zahlreichen Gastonkels und Gasttanten steht. Zu diesem Haus fuhren wir dann und trafen die ganzen Verwandten Gastmütterlicherseits. Mindestens 20 Leute kamen da zusammen, mit Kind und Kegel. Und ich wurde wieder vorgestellt, vorgeführt; begrüßt, willkommen geheißen, gelobt  und gewàit. Alle brachten etwas zu Essen mit, es gab ganze gebratene Gänse und Enten und Hühner, verschiedenst zubereiteten Fisch an Sößchen in allen Geschmacksrichtungen, Kräuter, Gemüse, Suppen, Meeresfrüchte. Obst, Kokosnussmilch, selbstgemachte Puddings, Klebreis-Bananen-Süßspeise. Reis natürlich. Wasser, und Bier auch. Und mehr. Wir saßen unter dem Holzdachpavillon in dem wuchernden Garten mit Palmen und Gestrüpp, ein ausreichend großer Tisch in der Mitte. Jedoch wurde das Festmahl, bei dem mir das Wasser im Munde zusammenlief, nicht etwa auf den Tisch gestellt. Nein, die Leute trugen es an dem Tisch vorbei, zu der Pyramide und legten es davor auf dem Boden ab. Nach und nach häufte sich dort eine Köstlichkeit nach der anderen, und auch wir taten unser Mitgebrachtes dazu und beteten anschließend mit einer Räucherkerze zwischen den zusammengelegten Händen (und, beim Anblick des Essens, Speichel zwischen den zusammengebissenen Zähnen) für die Seele des Verstorbenen. Wir Kinder wechselten uns ab, mit einem Palmwedel die Fliegen zu verscheuchen und saßen im Pavillon bei einem Glas Wasser mit Eiswürfeln nahe beim Grabstein, wo es sich der Geist des Toten wohl gerade schmecken ließ.

Aber er braucht nicht nur Essen. Zum täglichen Leben gehören auch Kleidung, Stifte, Bücher, ein Handy, Geld. Und das können wir ihm von der Welt der Sterblichen nur geben, indem wir es verbrennen.  Solches wurde also nun herbeigeschafft; Dinge aus Papier. „Lebensgroße“, schicke Papieranzüge mit bunten Papierkrawatten, bunt gemusterte Papierhemden, einen Satz Papierkulis und ein Papiertelefon, Geldscheine und –Münzen, ebenfalls aus Papier. Es wurde alles auf einem Haufen restlos verbrannt.

Punkt Mittag, ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, wurde das Essen auf den Tisch der Sterblichen übergesiedelt und wir aßen. Bei guter Stimmung  wurde gegessen, sich unterhalten, ein Onkel las allen möglichen Leuten die Zukunft aus der Hand. Die „Großen“ verteilten außerdem Umschläge mit je einem Geldschein darin an die Kinder. Dann wurde sich wieder verabschiedet. Jedes Jahr geht das nun so, seit dem Tod des Großvaters, der ungefähr 10 Jahre zurückliegt.

Am Abend knallten an einigen Häusern Feuerwerke. In der Öffentlichkeit war es auch ein großes Ding: Es gab Shows, Akrobatik, Feuerwerk, Tänze in chinesischem Stil, alles auch ins Fernsehen übertragen.

Also Freunde, Frohes Neues noch einmal!

21.2.10 12:12

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