Geburtstag des Königs

Der Geburtstag des Königs und damit gleichzeitig Vatertag ist ein großes Ding in Thailand. Das größte Ding, sagen die meisten. Der 05.12. ist das Datum und ich weiß, es ist schon lange her. Aber dazwischen ist auch wieder mal ne Menge passiert. Ich wills trotzdem nicht versäumen, davon zu berichten. Voilà. Viel Spaß beim Lesen.

Es fing in der Schule an. Schon am 04.12., weil der 05.12. ein Samstag und deshalb schulfrei war. Die Schule war bis zu den Zähnen aufgemotzt. Ein Riesiges Ganzkörperportrait vom König hing über der Bühne, mit Blumen und Schnickschnack und so. Die Schüler hatten lange im Voraus Vatertagsgedichte dichten und hübsch auf Plakate schreiben müssen; zum Teil auch auf Englisch (was zwar hübsch aussah, aber ich manchmal trotz langem Grübelns über die Bedeutung nicht erraten konnte, was der ehrenwerte Autor mit dem verkorksten Englisch sagen wollte. Naja, der gute Wille zählt.)   Die morgendliche Versammlung dauerte dreimalsolang wie sonst, weil wir außer Schul- und Nationalhymne auch noch zwei weitere Lieder sangen, die dem König zu Ehren geschrieben wurden. Happy Birthday war nicht dabei. Der Direktor hält ja ne Menge von langen Reden und ließ auch diese Gelegenheit nicht ungenutzt. Außerdem kniete er sich vor das Bild des Königs und „überreichte“ dem Altarähnlichen Tisch davor zwei Goldkronen. Verbeugte sich tief und ging von der Bühne. Dann war mein Auftritt. Klar, ich durfte auch nicht fehlen. Mir wurde schon lange vorher angekündigt, dass ich in allen mir verfügbaren Sprachen je eine Rede für den König vorbereiten solle. Englisch nahm mir ein anderer Schüler ab, Thai auch. Bleibt Französisch und Deutsch. Jeweils nur kurz. Mit dem Rücken zu den in ordentlichen Reihen stehenden Schülern und Lehrern, mit dem Gesicht zum König. Mit einem netten Knicks vorher und nachher.

Dann ging es rein, in der Aula ging es weiter. Auf der Bühne wurden Tänze getanzt, Lieder gesungen. Außerdem kamen ungefähr dreißig Väter auf die Bühne. Stellvertretend für die Väter dieser Welt. Sie saßen auf Stühlen, vor ihnen knieten ihre Kinder, die –eins, zwei, drei- sich tief zum wài herunterbeugten, bis zum Boden mit der Stirn. Und sich dann in die Arme des jeweiligen Vaters warfen, zu herzerwärmendster Musik. Die Väter bekamen dann vom Direktor auch so etwas wie ein Zertifikat oder eine Urkunde oder so überreicht. Dafür, der Vater eines Kindes zu sein? Das kann fast jeder Trottel. Naja.

Samstag war der richtige Geburtstag des Königs. Wir waren morgens im Tempel. Das ganze Dorf kam mit Kind und Kegel, in rosa Shirt. Weil das so muss. Wir beteten lange mit den vielen Mönchen, die gekommen waren. Die Mönche gingen dann herum, um die Almosen einzusammeln. Jede Familie kam mit einem Korb voller Dinge: Kekse, Reis, Trinkpäckchen, Spülmittel, Zahnpasta, Deo. Alles mögliche, was man so zum Leben braucht. Weil sie nämlich tatsächlich davon leben.

Wieder zu Hause, kam auch mein Gastvater dran. Wir drei Kinder knieten vor ihm, wàiten tief und wünschten alles Gute zum Vatertag, dankten für alles, was wir ihm verdanken und so.

Am späten Abend war wieder auf dem Dorfplatz vorm Tempel was los. Shows; eine Bühne wurde aufgebaut und es wurde gesungen. Eine knuddelige Kindergartengruppe in Kleidchen und Anzügen tanzte etwas vor. Außerdem das gleiche Prozedere wie in der Schule: Väter, die von ihren Kindern gehuldigt werden.  Am späten, späten Abend bekam jeder eine Kerze in die Hand gedrückt, das ganze Dorf stand vor dem Portrait des Königs, das Lied des Königs singend. Von tiefstem Herzen; Leute bekamen Tränen in die Augen. Es folgte ein Feuerwek.

Mitten in Bangkok ging mehrere Nächte lang die fette Sause. Um 19:00 jeden Abend wurden die Straßen gesperrt und Bühnen und Ausstellungen aufgebaut, Lichterketten, Lichtspiele mit Wasserfontänen wurden arrangiert, Statuen, große Portraits vom König. Und dann strömten jubelnd die Menschen auf die Straßen. In rosa Shirts und guter Stimmung; Unmengen… Unmengen. Die ultrabreite Straße, die man sonst nur vom Bus aus sieht, die mit hupenden Gefährten aller Art vollgestopft, war nun auf einmal voll Menschen. Wo man sich sonst lieber fernhält, wenn man nicht lebensmüde ist. Beeindruckend. Ich spazierte fasziniert mit Gasteltern und Gastschwester entlang. Es war laut; links und rechts auf den Bühnen wurde Musik aller Art gespielt, Reden gehalten, getanzt, Zaubertrickvostellungen und Schönheitswettbewerbe gab es auch. Eine Riesige, wahnsinnige Parade aus großen, geschmückten Wagen, unendlich viele, einer nach dem anderen und keiner wie der andere, passierte. Fliegende Händler mit dem Bauchladen vor sich schrien herum, Fernsehen, Zeitung und Radio waren natürlich auch da, überdimensionale Screens zeigten entweder, was gerade auf einer der Bühnen geschieht oder Fotos vom König.  Im Himmel krachte Feuerwerk, es war taghell – die Nacht bebte. Unglaublich.

Sie lieben den König. Wirklich, von Herzen. Ohne zu fragen. Weil er halt Gutes tut. Und weil jeder es von überall mitkriegt, vom kleinen Kind bis zum alten Mann: Der König, unser König, ist gut. Wir lieben ihn. Lang lebe der König! Ich habe am Vatertag in der Schule einen Freund gefragt, ob es denn Schüler gebe, die den König nicht lieben, und ob diese es dann verschwiegen. Nein, antwortete er. Es gibt niemanden, der den König nicht liebt! Wir Thais lieben den König, alle! Punkt.

 

 

 

26.12.09 17:34

Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mama (3.1.10 17:47)
Also wenn ich mir das so anhöre... da kann sich so ein deutscher Vater, der am Vatertag mit einem Kasten Bier und ein paar Kumpels am Vatertag in den Wald verzeiht, sich ja vor Scham verstecken!

Übrigens hast du Recht: Vater werden kann jeder Schwachkopf. Und es würde mich wundern, wenn in Thailand alle Väter gaaanz lieb und verständig wären.

Gruß, der Rest per E-Mail, Mama

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen

Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung