Mittlerweile

 

…bin ich schon über 4 Monate in Thailand. Spreche mittlerweile gut Thai, benutze kaum noch Englisch. Habe mich mittlerweile an das Leben hier gewöhnt, bin nicht mehr neu. Habe mittlerweile mehr vom Land gesehen und  bewege mich mittlerweile sicher in und um Bangkok, in dem anfangs verwirrend scheinenden System aus Zügen,  Bussen aller Größen und Arten und Motorradtaxis. Mittlerweile benutze ich als einleitendes Wort „früher“, wenn ich von der Zeit vor meiner Abreise aus Deutschland spreche. Ich lese Thai mittlerweile besser als meine Gastgroßmutter. Vorbeitrottende Elefanten, im Haus lebende Echsen und Kakerlaken  rufen mittlerweile keine großartige Reaktion mehr hervor. Und mittlerweile habe ich fünf Kilo zugenommen, aber das nur am Rande.

Ja, es ist schon recht lang her, dass ich den Blog hier gefüttert habe. Woran das liegt? Sicher nicht daran, dass nichts passiert. Das ist nicht der Fall. Naja, der Grund liegt eher darin, dass zu viel passiert. Ich schreibe alle paar Wochen eine lange Rundmail, die soviel erzählt, dass für den Blog nichts überbleibt. Ich will den Blog nicht einschlafen lassen, darum kommt jetzt mal wieder ein Zwischenstandsbericht.

Wo  knüpft man hier am besten an? Was hat sich verändert? In der Familie sprechen wir nur noch Thai, darum habe nach kurzer Zeit schon gebeten. Das klappt sehr gut. (Mittlerweile). Mein Vokabular bereichert sich dadurch unglaublich schnell. Es macht mir auch richtig Spaß; statt nach einem Wort in Englisch zu fragen, umschreibe ich es erst in Thai. Auch in der Schule wende ich mein Thai viel an; dadurch habe ich Draht zu meinen Freunden (deren Englisch, wie das der meisten Thaischüler in meinem Alter, horrend ist. Traurig.) und ich stehe nicht abseits. Auch mit den Lehrern rede ich viel, vor allem die weiblichen lächeln immer wieder verzückt; würden mich, glaube ich, am liebsten adoptieren und bitten mich, sie mit „Tante“ anzusprechen. Ja, ich bin immer noch der Superstar an der Schule, überall. 

Was sich vor allem großartig an meiner Schule verändert hat, ist, dass ich nicht mehr die einzige „Farang“ bin! Seit ein paar Wochen ist ein weiterer AFSschüler aus Costa Rica an meiner Schule; er kam drei Monate vor mir in Thailand an, wohnte erst im Süden des Landes und ist nun wegen Problemen nach Bangkok umgezogen. Carlos. Geht nun mit mir in die Schule und wieder flippen die Schüler(-innen!) aus, große Aufregung. Wir haben einigen Unterricht gemeinsam und verstehen uns gut, verbringen auch Freizeit gemeinsam mit unseren AFSFreunden. Nerven einander auch schonmal gewaltig. Ein bisschen ähnelt das einem Bruder-Schwester Ding.

Verändere ich mich? Ja klar. Das kann man nicht bestreiten. Manchmal weiß ich nicht, in welchem Ausmaß. Aber Kleinigkeiten merke ich schon. Ich werde gelassener, passe mich an. Wenn mal jemand zu einer Verabredung eine, zwei Stunden zu spät  kommt, oder garnicht, dann ists halt nicht so schlimm. Ist halt was dazwischengekommen, Stau oder so. Und ich selber latsche gemächlich von einem Ort zum anderen, auch wenn die Zeit knapp wird. Meinen hektischen „Bahnhofsschritt“ nutze ich hier garnicht. Und ich habe mich daran gewöhnt, ohne Hungergefühl zu essen, öfter als notwendig.  Ich halte es schon für selbstverständlich, wo auch immer ich bin, am Straßenrand eine große Auswahl an Fingerfood anzutreffen. Außerdem trete ich mit größerem Respekt vor Leute, die man hier respektvoll zu behandeln hat: Mönche, Lehrer, Eltern, generell Ältere.

Heimweh habe ich nicht. Noch immer stellte sich kein „Drei-Monats-Blues“, keine  „Tiefphase“ oder „Heimwehanfall“ ein, nichts von alledem was mir prophezeit wurde.  Ich bin einfach glücklich, kann man sagen.

Dieser Blogeintrag ist kürzer als die anderen. Es ist ein Zwischenbericht, wie gesagt. Ich verspreche, ich werde das nächste große Ding als Anlass nehmen,  wieder ausführlich zu beschreiben, was hier so alles vor sich geht.

22.11.09 10:31

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