Alltag.


Nun ist meine zweite Schulwoche vorbei und es ist sowas wie Alltag eingetreten. Er sieht so aus: Morgens stehe ich um halb sechs auf, um verschlafen zu fegen, wischen, frühstücken, duschen. Dann ziehe ich mich an, wobei es einige Kriterien zu beachten gibt:

·         Fall a): Ich habe Sport an diesem Tag. Dann muss ich die Sportuniform tragen: eine dunkelblaue Jogginghose mit hellblauem Hemd und gelbem Kragen.

·         Fall b): Ich habe keinen Sportunterricht. Also wird der Schulrock getragen. Dann gibt es drei Optionen:

o   b1): Es ist Montag > gelbes Poloshirt.

o   b2): Es ist Dienstag > rosa Poloshirt.

o    b3): Es ist weder Montag noch Dienstag > hellblaue Bluse.

In Thailand haben nämlich die Wochentage Farben: der Montag ist Gelb. Gelb ist die Farbe des Königs, und der ist an einem Montag geboren. Dienstag ist rosa, Mittwoch grün, Donnerstag orange, Freitag hellblau, Samstag violett und der Sonntag ist rot. Manche Thais, wie die meisten Lehrer,  kleiden sich jeden Tag danach.

Nicht gerade hübsch, die Schulunform. Natürlich haben die Mädchen da ihre Tricks: viele kürzen den Rock, nähen ihn auf knappe Knielänge um. Die Haare sind bei Mädchen entweder Kinnlang oder zusammengebunden, da nutzt man den Spielraum auch voll aus, mit Ponys und Haarspangen.

Die schwarze Schultasche gehört auch zur Uniform. Um sie individuell zu machen, hängen die Schüler Schlüsselanhänger an die Reißverschlüsse, nähen Aufnäher auf, befestigen Buttons und bemalen die Tasche.

 

Zum Aufwachen brauche ich übrigens keinen Wecker: jeden Tag um Punkt halb sechs dröhnt das Lokalradio durch die Megalautsprecher vom Dorfplatz nebenan; plärrt in einer erbarmungslosen Laustärke örtliche Nachrichten und Werbung durch den Ort. Wochenenden bilden keine Ausnahme.

Weiter im Text.

Um 07:00 fahre ich mit Pooh-Jáa und Mae-Jáa los, um erst Mae-Jáa an ihrer Schule abzuliefern, dann zu Pooh-Jáas und meiner weiterzufahren.

Vor der ersten Stunde versammeln sich alle Schüler auf dem Schulhof, um Die Schul- und Nationalhymne zu singen, zu beten und sich die Rede des Direktors und eventuelle Reden anderer Lehrer anzuhören. Da geht es um Benehmen, Fleiß und Artigkeit und Disziplin. Die Schüler schreiben währenddessen eigentlich lieber Hausaufgaben ab oder unterhalten sich, als zuzuhören. Oder hören Musik oder handeln mit Zeitschriften oder kleben dem Vordermann unauffällig Mickeymousesticker auf den Rücken. Die Versammlung dauert meistens eine Dreiviertelstunde, die Zeit kriegt man schon rum.

Mein Stundenplan ist annähernd Kursmäßig: die Hälfte der Stunden gehe ich mit meiner Klasse mit, die andere Hälfte habe ich Extraunterricht;  allein oder mit den drei Chinesischen Studentinnen zusammen, wie Thaikochen, Thai klassische Musik, Thaitanzen, Thaiunterricht. Außerdem habe ich viel freie Zeit, in der ich die Vorteile des Farangseins nutzen kann: ich habe Zutritt zum klimatisierten Lehrerzimmer und habe dort meinen eigenen Schreibtisch und Zugang zum Internet, Fernseher und Kühlschrank. Oder ich gehe in die Bibliothek, Thai lernen.  Oder spiele draußen mit Freunden Volleyball.

In der Mittagspause hat man die Auswahl zwischen ca. 5 Gerichten; Reis und Nudeln und Suppe und so. Richtig lecker und ich muss nicht bezahlen. Zum Nachtisch gibt es Eis in der Waffel oder Thainachtische wie Früchte oder gezuckerter, in warmem Öl schwimmender Mais.

Mittwoche sind besonders cool: Statt normalem Unterricht gibt es an einer anderen Schule ein Angebot für alle AFS-Schüler in Bangkok und Umgebung, dort Buddhismusunterricht zu genießen. Da treffe ich dann AFS-Freunde aus Belgien, Italien und Deutschland wieder. Wir sind gut befreundet und haben viel Spaß mittwochs. Der Buddhismusunterricht ist sehr toll! Wir knien im kleinen Tempel vor dem orangegekleideten Mönch, der alt und weise über das Leben erzählt. Auf Englisch.

Danach unternehmen wir AFSer irgendwas, gehen ein Eis essen oder so. Ich fahre mit verschiedenen Bussen dann direkt nach Hause.

Außer mittwochs bin ich nach der Schule immer ungefähr um halb fünf zu Hause und habe eine Stunde Zeit, bis ich mit Yài-Jáa und Mae-Jáa zum Aerobic auf dem nahegelegenen Dorfplatz gehe. Das ist auch immer sehr lustig; die Aerobicgruppe besteht zum Großteil aus Erwachsenen, die sich fit halten wollen. Dann noch ein paar Senioren wie Yài-Jáa, die ein bisschen mitwippen, aber eher weniger aktiv zur Musik hopsen und fuchteln wie die Jugend von heute. Ich bin die einzige in meinem Alter dort, dann gibt es noch ein paar Jüngere und sogar die dreijährige Tochter der Aerobiclehrerin.  Bis alle da sind, wird sich immer auf den Bänken im Schatten unterhalten und alle finden mich ganz toll, versuchen, sich mit mir zu unterhalten und bringen mir immer wieder was zu Essen mit; Snacks und Häppchen, die ich dringend probieren muss.

Dann wird sich eine Stunde lang zur Musik bewegt, wieder im Schatten gesessen, geredet und gegessen und dann nach Hause gegangen. Wo es Abendessen gibt.

Meistens bin ich dann so müde, dass ich nichts anderes mehr mache als Spülen, Vokabeln wiederholen und ins Bett fallen.

Voilà mein Alltag.

 

Ich liebe diesem Smiley.

9.8.09 16:05

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mama (9.8.09 22:14)
ICH liebe jenem smiley:
Zusammen sind die doch wie Aerobic von der Jugend von gestern und der von heute:







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