Ich bin ein Star... erster Schultag.

Ich war ganzschön aufgeregt. Am Vortag hatte ich meine Schuluniform gewaschen und gebügelt (nichts ist scheißer als einen Faltenrock zu bügeln), jetzt hatte ich mich fertig brav eingekleidet: Die hellblaue Bluse, auf der in dunkelblauer Schrift der Name der Schule und mein Thainame gestickt ist, steckt in dem dunkelblauen Knielangen Faltenrock, der altmodische Gürtel umgebunden. Die weißen Strümpfe sind bis knapp über die Knöchel heruntergekrempelt. Dazu schwarze, schlichte Lackschuhe mit süßen Riemchen. Schmuck ist nur dezent erlaubt, meine Haare hübsch zusammengebunden.

Außerdem hatte ich die Gastgeschenke für den Direktor parat, meine Rede in der Rocktasche. Meine Gasteltern haben sich feingemacht und wir fuhren los.  Die Schule ist in Südbangkok und vergleichsweise klein; „nur“ 1700 Schüler.

Schon als ich aus dem Auto stieg, sah ich Plakate und Stellwände auf dem Schulhof, am Schuleingang und am Lehrerzimmer; Fotos von mir prangten unter den Willkommensworten. Dazu kleine Steckbriefe, in denen ich kurz präsentiert wurde: Name, Herkunft, Familie, kurzer Lebenslauf mit Hobbies, sogar einige Charaktereigenschaften wurden genannt. Quasi weiß jetzt also die ganze Schule, dass ich Klavier spiele oder in welche Länder ich schon gereist bin. Name und Beruf der Eltern, Geschwister samt Namen und Alter.  Dass ich eine „friendly, outgoing person“ bin. Ich fasste das alles irgendwie nicht.  Sie haben einfach meine AFS-Bewerbungsmappe auseinandergenommen, zusammengefasst und ein Referat über meine Person zusammengestellt.

Ich wurde nacheinander dem Direktor, dem Vizedirektor und sämtlichen Lehrern vorgestellt und wurde eingeladen, im Lehrerzimmer Platz zu nehmen.

Nach und nach schlenderten alle Schüler auf den Schulhof, versuchten gar nicht unauffällig zu sein bei  dem Versuch, einen Blick ins Lehrerzimmer zu erhaschen.

Wir warteten drinnen, bis die Schüler, alle auf dem Schulhof vor der Bühne versammelt , ihr gewohntes morgendliches Prozedere hinter sich hatten, sprich, der Direktor seine Rede gehalten hat, die Schulhymne und die Nationalhymne gesungen und gebetet wurde. Dann sprach der Direktor einige einleitende Worte und die Plakate wurden von eifrigen Schülern auf die Bühne geholt. Meine Gasteltern dirigierten mich auf die Bühne und nacheinander wàite ich alle möglichen Leute, Übergab Blumenkränze und andere Geschenke, stellte mich in Kombination mit verschiedenen wichtigen Leuten vor die Kameras und hielt meine kleine Rede auf Deutsch, dann auf Thai. Die Schüler fandens super. Auch wenn ich nicht genau weiß, ob sies überhaupt verstanden haben. Mir wurden eine Menge Rosen überreicht und  applaudiert. Die Schülersprecherin sagte auch ein paar Worte, dann war die Zeremonie vorbei.

Ohmann, ich bin echt ein Superstar hier.  Den Tag über wurde ich von Schülern verfolgt, die „Yì-wáa!“ riefen und mich kennenlernen wollten. Die Mädchen schauten neidisch auf meine Haare, sagten, wie „suai“ (hübsch) ich sei und die Jungs riefen meinen Namen, um sich dann pubertär kichernd hintereinander zu verstecken versuchten. Eine Gruppe Mädels hakte sich sofort bei mir ein, ihre Anführerin nahm mich den ganzen Tag unter die Fittiche und fragte mich eine Menge Sachen.  Außerdem standen mir die vier anderen Ausländer bei. Chinesen, die keine Schüler mehr sind, aber an dieser Schule schon seit Längerem Auslandserfahrungen machen. Für die Schüler weit weniger interessant, da die Chinesischen Studenten schon perfekt Thai sprechen und sich also nicht so sehr von ihnen unterscheiden.

Ich fand diese  übertriebene Aufmerksamkeit  der Schüler mir gegenüber manchmal echt anstrengend, habe es aber tapfer durchgestanden und winkte und lächelte.  Sie sind ja alle sehr freundlich.

25.7.09 15:26

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mama (26.7.09 11:38)
Gutes Training für deine Bühnenlaufbahn! Haben dir nicht die Knie gewackelt bei so viel Publikum?


papa (26.7.09 12:06)
du bist halt eine rampensau!

ich finds toll, dass nicht nur du, sondern auch andere es für etwas besonderes halten, dass du in thailand bist. ich habe ein bisschen ein schlechtes gewissen gegenüber unserer baldigen thailändischen gastschülerin, weil sie wahrscheinlich relativ unbeachtet ihren ersten schultag erleben wird.


papa (26.7.09 12:10)
schau mal in dein profil - da sind einige kategorien durcheinander geraten. nick hornby ist kein schauspieler, und splat the rat kein lied

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