Neujahr

Letzte Woche Sonntag, 14. Februar, waaaar…. (jajaaah, Valentinstag.) Neujahr! Chinesisches Neujahr. Das hat hier in Thailand allerdings auch Bedeutung. Ein Recht großer Anteil der Bevölkerung ist chinesisch oder zumindest chinesischstämmig und die Kulturen haben sich teilweise ein bisschen vermischt und chinesische Traditionen werden auch in manchen komplett thailändischen Familien praktiziert. Wie in meiner.

Meine Gastfamilie pflegt den Brauch, an chinesischem Neujahr die Knochen des verstorbenen Großvaters zu besuchen. Die sind in einem 3m hohen, pyramidenähnlichen Denkmal aufbewahrt, das im Garten eines meiner unübersichtlich zahlreichen Gastonkels und Gasttanten steht. Zu diesem Haus fuhren wir dann und trafen die ganzen Verwandten Gastmütterlicherseits. Mindestens 20 Leute kamen da zusammen, mit Kind und Kegel. Und ich wurde wieder vorgestellt, vorgeführt; begrüßt, willkommen geheißen, gelobt  und gewàit. Alle brachten etwas zu Essen mit, es gab ganze gebratene Gänse und Enten und Hühner, verschiedenst zubereiteten Fisch an Sößchen in allen Geschmacksrichtungen, Kräuter, Gemüse, Suppen, Meeresfrüchte. Obst, Kokosnussmilch, selbstgemachte Puddings, Klebreis-Bananen-Süßspeise. Reis natürlich. Wasser, und Bier auch. Und mehr. Wir saßen unter dem Holzdachpavillon in dem wuchernden Garten mit Palmen und Gestrüpp, ein ausreichend großer Tisch in der Mitte. Jedoch wurde das Festmahl, bei dem mir das Wasser im Munde zusammenlief, nicht etwa auf den Tisch gestellt. Nein, die Leute trugen es an dem Tisch vorbei, zu der Pyramide und legten es davor auf dem Boden ab. Nach und nach häufte sich dort eine Köstlichkeit nach der anderen, und auch wir taten unser Mitgebrachtes dazu und beteten anschließend mit einer Räucherkerze zwischen den zusammengelegten Händen (und, beim Anblick des Essens, Speichel zwischen den zusammengebissenen Zähnen) für die Seele des Verstorbenen. Wir Kinder wechselten uns ab, mit einem Palmwedel die Fliegen zu verscheuchen und saßen im Pavillon bei einem Glas Wasser mit Eiswürfeln nahe beim Grabstein, wo es sich der Geist des Toten wohl gerade schmecken ließ.

Aber er braucht nicht nur Essen. Zum täglichen Leben gehören auch Kleidung, Stifte, Bücher, ein Handy, Geld. Und das können wir ihm von der Welt der Sterblichen nur geben, indem wir es verbrennen.  Solches wurde also nun herbeigeschafft; Dinge aus Papier. „Lebensgroße“, schicke Papieranzüge mit bunten Papierkrawatten, bunt gemusterte Papierhemden, einen Satz Papierkulis und ein Papiertelefon, Geldscheine und –Münzen, ebenfalls aus Papier. Es wurde alles auf einem Haufen restlos verbrannt.

Punkt Mittag, ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, wurde das Essen auf den Tisch der Sterblichen übergesiedelt und wir aßen. Bei guter Stimmung  wurde gegessen, sich unterhalten, ein Onkel las allen möglichen Leuten die Zukunft aus der Hand. Die „Großen“ verteilten außerdem Umschläge mit je einem Geldschein darin an die Kinder. Dann wurde sich wieder verabschiedet. Jedes Jahr geht das nun so, seit dem Tod des Großvaters, der ungefähr 10 Jahre zurückliegt.

Am Abend knallten an einigen Häusern Feuerwerke. In der Öffentlichkeit war es auch ein großes Ding: Es gab Shows, Akrobatik, Feuerwerk, Tänze in chinesischem Stil, alles auch ins Fernsehen übertragen.

Also Freunde, Frohes Neues noch einmal!

1 Kommentar 21.2.10 12:12, kommentieren

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Geburtstag des Königs

Der Geburtstag des Königs und damit gleichzeitig Vatertag ist ein großes Ding in Thailand. Das größte Ding, sagen die meisten. Der 05.12. ist das Datum und ich weiß, es ist schon lange her. Aber dazwischen ist auch wieder mal ne Menge passiert. Ich wills trotzdem nicht versäumen, davon zu berichten. Voilà. Viel Spaß beim Lesen.

Es fing in der Schule an. Schon am 04.12., weil der 05.12. ein Samstag und deshalb schulfrei war. Die Schule war bis zu den Zähnen aufgemotzt. Ein Riesiges Ganzkörperportrait vom König hing über der Bühne, mit Blumen und Schnickschnack und so. Die Schüler hatten lange im Voraus Vatertagsgedichte dichten und hübsch auf Plakate schreiben müssen; zum Teil auch auf Englisch (was zwar hübsch aussah, aber ich manchmal trotz langem Grübelns über die Bedeutung nicht erraten konnte, was der ehrenwerte Autor mit dem verkorksten Englisch sagen wollte. Naja, der gute Wille zählt.)   Die morgendliche Versammlung dauerte dreimalsolang wie sonst, weil wir außer Schul- und Nationalhymne auch noch zwei weitere Lieder sangen, die dem König zu Ehren geschrieben wurden. Happy Birthday war nicht dabei. Der Direktor hält ja ne Menge von langen Reden und ließ auch diese Gelegenheit nicht ungenutzt. Außerdem kniete er sich vor das Bild des Königs und „überreichte“ dem Altarähnlichen Tisch davor zwei Goldkronen. Verbeugte sich tief und ging von der Bühne. Dann war mein Auftritt. Klar, ich durfte auch nicht fehlen. Mir wurde schon lange vorher angekündigt, dass ich in allen mir verfügbaren Sprachen je eine Rede für den König vorbereiten solle. Englisch nahm mir ein anderer Schüler ab, Thai auch. Bleibt Französisch und Deutsch. Jeweils nur kurz. Mit dem Rücken zu den in ordentlichen Reihen stehenden Schülern und Lehrern, mit dem Gesicht zum König. Mit einem netten Knicks vorher und nachher.

Dann ging es rein, in der Aula ging es weiter. Auf der Bühne wurden Tänze getanzt, Lieder gesungen. Außerdem kamen ungefähr dreißig Väter auf die Bühne. Stellvertretend für die Väter dieser Welt. Sie saßen auf Stühlen, vor ihnen knieten ihre Kinder, die –eins, zwei, drei- sich tief zum wài herunterbeugten, bis zum Boden mit der Stirn. Und sich dann in die Arme des jeweiligen Vaters warfen, zu herzerwärmendster Musik. Die Väter bekamen dann vom Direktor auch so etwas wie ein Zertifikat oder eine Urkunde oder so überreicht. Dafür, der Vater eines Kindes zu sein? Das kann fast jeder Trottel. Naja.

Samstag war der richtige Geburtstag des Königs. Wir waren morgens im Tempel. Das ganze Dorf kam mit Kind und Kegel, in rosa Shirt. Weil das so muss. Wir beteten lange mit den vielen Mönchen, die gekommen waren. Die Mönche gingen dann herum, um die Almosen einzusammeln. Jede Familie kam mit einem Korb voller Dinge: Kekse, Reis, Trinkpäckchen, Spülmittel, Zahnpasta, Deo. Alles mögliche, was man so zum Leben braucht. Weil sie nämlich tatsächlich davon leben.

Wieder zu Hause, kam auch mein Gastvater dran. Wir drei Kinder knieten vor ihm, wàiten tief und wünschten alles Gute zum Vatertag, dankten für alles, was wir ihm verdanken und so.

Am späten Abend war wieder auf dem Dorfplatz vorm Tempel was los. Shows; eine Bühne wurde aufgebaut und es wurde gesungen. Eine knuddelige Kindergartengruppe in Kleidchen und Anzügen tanzte etwas vor. Außerdem das gleiche Prozedere wie in der Schule: Väter, die von ihren Kindern gehuldigt werden.  Am späten, späten Abend bekam jeder eine Kerze in die Hand gedrückt, das ganze Dorf stand vor dem Portrait des Königs, das Lied des Königs singend. Von tiefstem Herzen; Leute bekamen Tränen in die Augen. Es folgte ein Feuerwek.

Mitten in Bangkok ging mehrere Nächte lang die fette Sause. Um 19:00 jeden Abend wurden die Straßen gesperrt und Bühnen und Ausstellungen aufgebaut, Lichterketten, Lichtspiele mit Wasserfontänen wurden arrangiert, Statuen, große Portraits vom König. Und dann strömten jubelnd die Menschen auf die Straßen. In rosa Shirts und guter Stimmung; Unmengen… Unmengen. Die ultrabreite Straße, die man sonst nur vom Bus aus sieht, die mit hupenden Gefährten aller Art vollgestopft, war nun auf einmal voll Menschen. Wo man sich sonst lieber fernhält, wenn man nicht lebensmüde ist. Beeindruckend. Ich spazierte fasziniert mit Gasteltern und Gastschwester entlang. Es war laut; links und rechts auf den Bühnen wurde Musik aller Art gespielt, Reden gehalten, getanzt, Zaubertrickvostellungen und Schönheitswettbewerbe gab es auch. Eine Riesige, wahnsinnige Parade aus großen, geschmückten Wagen, unendlich viele, einer nach dem anderen und keiner wie der andere, passierte. Fliegende Händler mit dem Bauchladen vor sich schrien herum, Fernsehen, Zeitung und Radio waren natürlich auch da, überdimensionale Screens zeigten entweder, was gerade auf einer der Bühnen geschieht oder Fotos vom König.  Im Himmel krachte Feuerwerk, es war taghell – die Nacht bebte. Unglaublich.

Sie lieben den König. Wirklich, von Herzen. Ohne zu fragen. Weil er halt Gutes tut. Und weil jeder es von überall mitkriegt, vom kleinen Kind bis zum alten Mann: Der König, unser König, ist gut. Wir lieben ihn. Lang lebe der König! Ich habe am Vatertag in der Schule einen Freund gefragt, ob es denn Schüler gebe, die den König nicht lieben, und ob diese es dann verschwiegen. Nein, antwortete er. Es gibt niemanden, der den König nicht liebt! Wir Thais lieben den König, alle! Punkt.

 

 

 

2 Kommentare 26.12.09 17:34, kommentieren

Mittlerweile

 

…bin ich schon über 4 Monate in Thailand. Spreche mittlerweile gut Thai, benutze kaum noch Englisch. Habe mich mittlerweile an das Leben hier gewöhnt, bin nicht mehr neu. Habe mittlerweile mehr vom Land gesehen und  bewege mich mittlerweile sicher in und um Bangkok, in dem anfangs verwirrend scheinenden System aus Zügen,  Bussen aller Größen und Arten und Motorradtaxis. Mittlerweile benutze ich als einleitendes Wort „früher“, wenn ich von der Zeit vor meiner Abreise aus Deutschland spreche. Ich lese Thai mittlerweile besser als meine Gastgroßmutter. Vorbeitrottende Elefanten, im Haus lebende Echsen und Kakerlaken  rufen mittlerweile keine großartige Reaktion mehr hervor. Und mittlerweile habe ich fünf Kilo zugenommen, aber das nur am Rande.

Ja, es ist schon recht lang her, dass ich den Blog hier gefüttert habe. Woran das liegt? Sicher nicht daran, dass nichts passiert. Das ist nicht der Fall. Naja, der Grund liegt eher darin, dass zu viel passiert. Ich schreibe alle paar Wochen eine lange Rundmail, die soviel erzählt, dass für den Blog nichts überbleibt. Ich will den Blog nicht einschlafen lassen, darum kommt jetzt mal wieder ein Zwischenstandsbericht.

Wo  knüpft man hier am besten an? Was hat sich verändert? In der Familie sprechen wir nur noch Thai, darum habe nach kurzer Zeit schon gebeten. Das klappt sehr gut. (Mittlerweile). Mein Vokabular bereichert sich dadurch unglaublich schnell. Es macht mir auch richtig Spaß; statt nach einem Wort in Englisch zu fragen, umschreibe ich es erst in Thai. Auch in der Schule wende ich mein Thai viel an; dadurch habe ich Draht zu meinen Freunden (deren Englisch, wie das der meisten Thaischüler in meinem Alter, horrend ist. Traurig.) und ich stehe nicht abseits. Auch mit den Lehrern rede ich viel, vor allem die weiblichen lächeln immer wieder verzückt; würden mich, glaube ich, am liebsten adoptieren und bitten mich, sie mit „Tante“ anzusprechen. Ja, ich bin immer noch der Superstar an der Schule, überall. 

Was sich vor allem großartig an meiner Schule verändert hat, ist, dass ich nicht mehr die einzige „Farang“ bin! Seit ein paar Wochen ist ein weiterer AFSschüler aus Costa Rica an meiner Schule; er kam drei Monate vor mir in Thailand an, wohnte erst im Süden des Landes und ist nun wegen Problemen nach Bangkok umgezogen. Carlos. Geht nun mit mir in die Schule und wieder flippen die Schüler(-innen!) aus, große Aufregung. Wir haben einigen Unterricht gemeinsam und verstehen uns gut, verbringen auch Freizeit gemeinsam mit unseren AFSFreunden. Nerven einander auch schonmal gewaltig. Ein bisschen ähnelt das einem Bruder-Schwester Ding.

Verändere ich mich? Ja klar. Das kann man nicht bestreiten. Manchmal weiß ich nicht, in welchem Ausmaß. Aber Kleinigkeiten merke ich schon. Ich werde gelassener, passe mich an. Wenn mal jemand zu einer Verabredung eine, zwei Stunden zu spät  kommt, oder garnicht, dann ists halt nicht so schlimm. Ist halt was dazwischengekommen, Stau oder so. Und ich selber latsche gemächlich von einem Ort zum anderen, auch wenn die Zeit knapp wird. Meinen hektischen „Bahnhofsschritt“ nutze ich hier garnicht. Und ich habe mich daran gewöhnt, ohne Hungergefühl zu essen, öfter als notwendig.  Ich halte es schon für selbstverständlich, wo auch immer ich bin, am Straßenrand eine große Auswahl an Fingerfood anzutreffen. Außerdem trete ich mit größerem Respekt vor Leute, die man hier respektvoll zu behandeln hat: Mönche, Lehrer, Eltern, generell Ältere.

Heimweh habe ich nicht. Noch immer stellte sich kein „Drei-Monats-Blues“, keine  „Tiefphase“ oder „Heimwehanfall“ ein, nichts von alledem was mir prophezeit wurde.  Ich bin einfach glücklich, kann man sagen.

Dieser Blogeintrag ist kürzer als die anderen. Es ist ein Zwischenbericht, wie gesagt. Ich verspreche, ich werde das nächste große Ding als Anlass nehmen,  wieder ausführlich zu beschreiben, was hier so alles vor sich geht.

22.11.09 10:31, kommentieren

Alltag.


Nun ist meine zweite Schulwoche vorbei und es ist sowas wie Alltag eingetreten. Er sieht so aus: Morgens stehe ich um halb sechs auf, um verschlafen zu fegen, wischen, frühstücken, duschen. Dann ziehe ich mich an, wobei es einige Kriterien zu beachten gibt:

·         Fall a): Ich habe Sport an diesem Tag. Dann muss ich die Sportuniform tragen: eine dunkelblaue Jogginghose mit hellblauem Hemd und gelbem Kragen.

·         Fall b): Ich habe keinen Sportunterricht. Also wird der Schulrock getragen. Dann gibt es drei Optionen:

o   b1): Es ist Montag > gelbes Poloshirt.

o   b2): Es ist Dienstag > rosa Poloshirt.

o    b3): Es ist weder Montag noch Dienstag > hellblaue Bluse.

In Thailand haben nämlich die Wochentage Farben: der Montag ist Gelb. Gelb ist die Farbe des Königs, und der ist an einem Montag geboren. Dienstag ist rosa, Mittwoch grün, Donnerstag orange, Freitag hellblau, Samstag violett und der Sonntag ist rot. Manche Thais, wie die meisten Lehrer,  kleiden sich jeden Tag danach.

Nicht gerade hübsch, die Schulunform. Natürlich haben die Mädchen da ihre Tricks: viele kürzen den Rock, nähen ihn auf knappe Knielänge um. Die Haare sind bei Mädchen entweder Kinnlang oder zusammengebunden, da nutzt man den Spielraum auch voll aus, mit Ponys und Haarspangen.

Die schwarze Schultasche gehört auch zur Uniform. Um sie individuell zu machen, hängen die Schüler Schlüsselanhänger an die Reißverschlüsse, nähen Aufnäher auf, befestigen Buttons und bemalen die Tasche.

 

Zum Aufwachen brauche ich übrigens keinen Wecker: jeden Tag um Punkt halb sechs dröhnt das Lokalradio durch die Megalautsprecher vom Dorfplatz nebenan; plärrt in einer erbarmungslosen Laustärke örtliche Nachrichten und Werbung durch den Ort. Wochenenden bilden keine Ausnahme.

Weiter im Text.

Um 07:00 fahre ich mit Pooh-Jáa und Mae-Jáa los, um erst Mae-Jáa an ihrer Schule abzuliefern, dann zu Pooh-Jáas und meiner weiterzufahren.

Vor der ersten Stunde versammeln sich alle Schüler auf dem Schulhof, um Die Schul- und Nationalhymne zu singen, zu beten und sich die Rede des Direktors und eventuelle Reden anderer Lehrer anzuhören. Da geht es um Benehmen, Fleiß und Artigkeit und Disziplin. Die Schüler schreiben währenddessen eigentlich lieber Hausaufgaben ab oder unterhalten sich, als zuzuhören. Oder hören Musik oder handeln mit Zeitschriften oder kleben dem Vordermann unauffällig Mickeymousesticker auf den Rücken. Die Versammlung dauert meistens eine Dreiviertelstunde, die Zeit kriegt man schon rum.

Mein Stundenplan ist annähernd Kursmäßig: die Hälfte der Stunden gehe ich mit meiner Klasse mit, die andere Hälfte habe ich Extraunterricht;  allein oder mit den drei Chinesischen Studentinnen zusammen, wie Thaikochen, Thai klassische Musik, Thaitanzen, Thaiunterricht. Außerdem habe ich viel freie Zeit, in der ich die Vorteile des Farangseins nutzen kann: ich habe Zutritt zum klimatisierten Lehrerzimmer und habe dort meinen eigenen Schreibtisch und Zugang zum Internet, Fernseher und Kühlschrank. Oder ich gehe in die Bibliothek, Thai lernen.  Oder spiele draußen mit Freunden Volleyball.

In der Mittagspause hat man die Auswahl zwischen ca. 5 Gerichten; Reis und Nudeln und Suppe und so. Richtig lecker und ich muss nicht bezahlen. Zum Nachtisch gibt es Eis in der Waffel oder Thainachtische wie Früchte oder gezuckerter, in warmem Öl schwimmender Mais.

Mittwoche sind besonders cool: Statt normalem Unterricht gibt es an einer anderen Schule ein Angebot für alle AFS-Schüler in Bangkok und Umgebung, dort Buddhismusunterricht zu genießen. Da treffe ich dann AFS-Freunde aus Belgien, Italien und Deutschland wieder. Wir sind gut befreundet und haben viel Spaß mittwochs. Der Buddhismusunterricht ist sehr toll! Wir knien im kleinen Tempel vor dem orangegekleideten Mönch, der alt und weise über das Leben erzählt. Auf Englisch.

Danach unternehmen wir AFSer irgendwas, gehen ein Eis essen oder so. Ich fahre mit verschiedenen Bussen dann direkt nach Hause.

Außer mittwochs bin ich nach der Schule immer ungefähr um halb fünf zu Hause und habe eine Stunde Zeit, bis ich mit Yài-Jáa und Mae-Jáa zum Aerobic auf dem nahegelegenen Dorfplatz gehe. Das ist auch immer sehr lustig; die Aerobicgruppe besteht zum Großteil aus Erwachsenen, die sich fit halten wollen. Dann noch ein paar Senioren wie Yài-Jáa, die ein bisschen mitwippen, aber eher weniger aktiv zur Musik hopsen und fuchteln wie die Jugend von heute. Ich bin die einzige in meinem Alter dort, dann gibt es noch ein paar Jüngere und sogar die dreijährige Tochter der Aerobiclehrerin.  Bis alle da sind, wird sich immer auf den Bänken im Schatten unterhalten und alle finden mich ganz toll, versuchen, sich mit mir zu unterhalten und bringen mir immer wieder was zu Essen mit; Snacks und Häppchen, die ich dringend probieren muss.

Dann wird sich eine Stunde lang zur Musik bewegt, wieder im Schatten gesessen, geredet und gegessen und dann nach Hause gegangen. Wo es Abendessen gibt.

Meistens bin ich dann so müde, dass ich nichts anderes mehr mache als Spülen, Vokabeln wiederholen und ins Bett fallen.

Voilà mein Alltag.

 

Ich liebe diesem Smiley.

1 Kommentar 9.8.09 16:05, kommentieren

Ich bin ein Star... erster Schultag.

Ich war ganzschön aufgeregt. Am Vortag hatte ich meine Schuluniform gewaschen und gebügelt (nichts ist scheißer als einen Faltenrock zu bügeln), jetzt hatte ich mich fertig brav eingekleidet: Die hellblaue Bluse, auf der in dunkelblauer Schrift der Name der Schule und mein Thainame gestickt ist, steckt in dem dunkelblauen Knielangen Faltenrock, der altmodische Gürtel umgebunden. Die weißen Strümpfe sind bis knapp über die Knöchel heruntergekrempelt. Dazu schwarze, schlichte Lackschuhe mit süßen Riemchen. Schmuck ist nur dezent erlaubt, meine Haare hübsch zusammengebunden.

Außerdem hatte ich die Gastgeschenke für den Direktor parat, meine Rede in der Rocktasche. Meine Gasteltern haben sich feingemacht und wir fuhren los.  Die Schule ist in Südbangkok und vergleichsweise klein; „nur“ 1700 Schüler.

Schon als ich aus dem Auto stieg, sah ich Plakate und Stellwände auf dem Schulhof, am Schuleingang und am Lehrerzimmer; Fotos von mir prangten unter den Willkommensworten. Dazu kleine Steckbriefe, in denen ich kurz präsentiert wurde: Name, Herkunft, Familie, kurzer Lebenslauf mit Hobbies, sogar einige Charaktereigenschaften wurden genannt. Quasi weiß jetzt also die ganze Schule, dass ich Klavier spiele oder in welche Länder ich schon gereist bin. Name und Beruf der Eltern, Geschwister samt Namen und Alter.  Dass ich eine „friendly, outgoing person“ bin. Ich fasste das alles irgendwie nicht.  Sie haben einfach meine AFS-Bewerbungsmappe auseinandergenommen, zusammengefasst und ein Referat über meine Person zusammengestellt.

Ich wurde nacheinander dem Direktor, dem Vizedirektor und sämtlichen Lehrern vorgestellt und wurde eingeladen, im Lehrerzimmer Platz zu nehmen.

Nach und nach schlenderten alle Schüler auf den Schulhof, versuchten gar nicht unauffällig zu sein bei  dem Versuch, einen Blick ins Lehrerzimmer zu erhaschen.

Wir warteten drinnen, bis die Schüler, alle auf dem Schulhof vor der Bühne versammelt , ihr gewohntes morgendliches Prozedere hinter sich hatten, sprich, der Direktor seine Rede gehalten hat, die Schulhymne und die Nationalhymne gesungen und gebetet wurde. Dann sprach der Direktor einige einleitende Worte und die Plakate wurden von eifrigen Schülern auf die Bühne geholt. Meine Gasteltern dirigierten mich auf die Bühne und nacheinander wàite ich alle möglichen Leute, Übergab Blumenkränze und andere Geschenke, stellte mich in Kombination mit verschiedenen wichtigen Leuten vor die Kameras und hielt meine kleine Rede auf Deutsch, dann auf Thai. Die Schüler fandens super. Auch wenn ich nicht genau weiß, ob sies überhaupt verstanden haben. Mir wurden eine Menge Rosen überreicht und  applaudiert. Die Schülersprecherin sagte auch ein paar Worte, dann war die Zeremonie vorbei.

Ohmann, ich bin echt ein Superstar hier.  Den Tag über wurde ich von Schülern verfolgt, die „Yì-wáa!“ riefen und mich kennenlernen wollten. Die Mädchen schauten neidisch auf meine Haare, sagten, wie „suai“ (hübsch) ich sei und die Jungs riefen meinen Namen, um sich dann pubertär kichernd hintereinander zu verstecken versuchten. Eine Gruppe Mädels hakte sich sofort bei mir ein, ihre Anführerin nahm mich den ganzen Tag unter die Fittiche und fragte mich eine Menge Sachen.  Außerdem standen mir die vier anderen Ausländer bei. Chinesen, die keine Schüler mehr sind, aber an dieser Schule schon seit Längerem Auslandserfahrungen machen. Für die Schüler weit weniger interessant, da die Chinesischen Studenten schon perfekt Thai sprechen und sich also nicht so sehr von ihnen unterscheiden.

Ich fand diese  übertriebene Aufmerksamkeit  der Schüler mir gegenüber manchmal echt anstrengend, habe es aber tapfer durchgestanden und winkte und lächelte.  Sie sind ja alle sehr freundlich.

4 Kommentare 25.7.09 15:26, kommentieren

AFS: Another Fat Student. Essen.

Die zweite Bedeutung der Abkurzung AFS ist unter Thailand-Hopees bekannt. Ich versuche garnicht erst, mein Gewicht zu halten.

Die Grundlage jeder Mahlzeit ist Reis. Zum ersten Frühstück gibt es meistens Klebreis mit Rind. Zum zweiten Frühstück gibt es dann verschiedene Beilagen: gekochtes Gemüse, Ei, Schwein. Zum Mittagessen werden dann viele Gerichte gleichzeitig aufgetischt: Fisch, Suppen, Gemüse. Richtig vieles, mit allerlei Soßen. Aaaah, die Soßen. Herrlich. Ich half Mae-Jáa einmal dabei. Sie warf geschickt und ohne Rezept frischen Knoblauch und Zitronengras zusammen, holte Chilischoten aus dem Garten, hackte, schnitt, würzte, zuckerte, mischte Öle dazu und ich hab es nie besser im europäischen Asia-Restaurant  bekommen.

Zum Abendessen gibt es meistens das gleiche wie zum Mittagessen.

Der Nachtisch besteht aus bunten Früchten, für einige es noch nicht einmal eine Übersetzung gibt. Köstlich saftig und süß und sauer, Ananas, Melone, Kokosnuss, Papaya, Drachenfrucht. Kein Vergleich zu deutschen Supermarktfrüchten, egal von woher importiert oder wie bio. 

Am Straßenrand und auf Märkten bieten Händler auch Essen an, bei denen westliche Langweiler die große Nase rümpfen: gezuckertes hartes Eigelb, zu Kügelchen geformt;  frittierte kleine Frösche, Leberbällchen am Spieß, ganze Tintenfische zum knabbern, Krebse, Babyschildkröten, die manchmal noch lebend in Eimern schwimmen. („Wie süüüß! Die Armen!“. Und viel, viel mehr, wovon ich garnicht weiß, was ich da gegessen habe. Ich laufe durch den Markt und von links und rechts steckt mir meine Familie alles Mögliche zu, was ich unbedingt probieren müsse. Alles ist genießbar, ich mag wirklich vieles, einiges ist aber wirklich nicht mein Fall. Das gezuckerte Eigelb, muss ich zugeben, ist gar nicht mal so lecker. Den Krebs isst man übrigens ganz, man macht noch nicht einmal den Panzer ab. Beim frittieren wird er ganz weich. Nur die Scheren sind ordentlich knusprig-kross und die Konsistenz erinnert an Kieselstein.

Jeden Tag esse ich neues, entdecke undefinierbare neue Geschmackrichtungen und so viel! Man kann sich nicht wehren, beim Essen hört die Familie nicht auf, mir immer und immer wieder nachzugeben. Und es schmeckt mir auch fast alles! Das Essen ist so abenteuerlich, ich bin jedes Mal neugierig und esse einfach zu viel. Jeden Abend weisen meine Eltern mich auf den Snackschrank hin, an dem ich mich bedienen soll, wenn ich nachts hungrig werden sollte. Mit vollem Bauch beruhige ich sie, dass ich hier wirklich nicht hungere.

Wenn zwischen zwei Mahlzeiten mehrere Stunden liegen, bringt mir jemand etwas für zwischendurch: eine kühle aufgeschnittene Kokosnuss mit Strohhalm und Löffel, undefinierbares Gebäck, Klebreisklumpen oder ähnliches. Ich kann mich gar nicht retten.

Vom ersten Tag an habe ich meinen Magen alles andere als geschont.  Blieb aber bisher von ernsthaften Beschwerden verschont.

10 Kommentare 10.7.09 12:01, kommentieren

Thai-Knigge: Respekt, Höflichkeit

Píi-Min, Píi-Tii, Mae-Jáa, Pooh-Jáa, Yài-Jáa? Das sind nicht die richtigen Namen. Min und Tii sind die Spitznamen. Eigentlich heißen sie Ratanan und Yannawud. Thais werden jedoch nur beim Spitznamen genannt, und „Píi“ ist die respektvolle Anrede für „großer Bruder/große Schwester“. Übrigens muss man nicht verwandt sein, um eine Person,  die im Alter eines älteren Geschwists ist, Píi nennen zu müssen.  Mae-Jáa heißt einfach „Mama“, aber es ist irgendwie nur das Ding dieser Familie. Normalerweise ruft man die Mutter „Khun-Mae“ – „Frau Mutter“.

Beim Begrüßen, Verabschieden, Bedanken und auch mal so zwischendurch gehört sich ein wài: man legt die Hände zusammen und neigt den Kopf. Jedoch nur zu älteren, niemals zu jüngeren. Unter gleichaltrigen und in der Familie ist ein wài jedoch nicht nötig; es herrscht ein eher freundschaftlicher Umgang.

Yài-Jáa ist noch von der alten Schule und steht auf die höflichen Umgangsformen. Außerdem ist sie alt und deshalb ehrwürdig. Als ich von ihr ein Geschenk entgegennahm, musste ich vor ihr niederknien.

Aah, ganz wichtig ist auch der Respekt gegenüber Mönchen. Glatzköpfig und in orangener Kutte spazieren sie einem schonmal über den Weg. In so einer Situation müssen alle zur Seite weichen, vor allem die Frauen und Mädchen. Wenn ein Mönch von ihnen berührt wird, widerfährt ihm wohl Furchtbares, ich habe noch nicht herausgefunden, was. Mittlerweile ist man aber so tolerant, dass es nicht so schlimm ist, wenn frau einen Mönch versehentlich streift. Trotz der Auffälligkeit ist mir schon passiert, dass ich im Gedränge gedankenverloren geradewegs auf einen Mönch zusteuerte, bis mich Píi-Min wegriss. 

Besondere Buddha- oder Königsstatuen wài t man auch. Aber nicht immer. Das wäre auch echt übertrieben, denn der König ist allgegenwärtig und überall.

1 Kommentar 10.7.09 11:56, kommentieren


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